11. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Gott vergibt Sünde

Wieder zuhause nahm ich ie Bibel zur Hand und las immer wieder das 53. Kapitel des Propheten Jesaja. Ich wunderte mich, dass ich niemals zuvor von Jesaja 53 gehört hatte. Warum hatten die Rabiner nie mit mir über dieses Kapitel gesprochen?

Wie konnten wir Juden behaupten, wir glaubten an die Bibel, wenn wir Jesaja 53 unterschlugen? Je mehr ich las umso klarer wurde es mir , dass Jesajas Prophetie Gottes herrlichen Plan der Vergebung, Versöhnung und Rettung beschreibt.

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Jesaja 53

Das stellvertretende Leiden und Sterben des Messias für die Sünder
1 Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und der Arm des HERRN, wem ist er geoffenbart worden?
2 Er wuchs auf vor ihm wie ein Schössling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht.
3 Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut; wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht.
4 Fürwahr, er hat unsere Krankheit1 getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.
5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.
6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn.
7 Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
8 Infolge von Drangsal und Gericht wurde er weggenommen; wer will aber sein Geschlecht beschreiben? Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.
9 Und man bestimmte sein Grab bei Gottlosen, aber bei einem Reichen [war er] in seinem Tod, weil er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war.
10 Aber dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen; er ließ ihn leiden. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Nachkommen sehen und seine Tage verlängern; und das Vorhaben des HERRN wird in seiner Hand gelingen.
11 Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen.
12 Darum will ich ihm die Vielen zum Anteil geben, und er wird Starke zum Raub erhalten, dafür, dass er seine Seele dem Tod preisgegeben hat und sich unter die Übeltäter zählen ließ und die Sünde vieler getragen und für die Übeltäter gebetet hat.

Fortsetzung folgt

10. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Meine Bekanntschaft mit einem jüdischen Evangelisten

Einige Wochen vor dem Passahfest gab mir der Evangelist in Rhode Island die Adresse eines an Jesus gläubigen Juden in New York. Ich wollte ihn kennenlernen, weil ich noch nie einen Juden getroffen hatte, der an Jesus glaubte.

Sobald ich mit ihm in Verbindung kam, lud er mich zu sich nach Hause ein und empfing mich mit dem Willkommensgruß: „Schalom Alechem!“ Wir lasen zusammen das Neue Testament in Jiddisch. Nach einer Weile erzählte er mir, er habe ein Gedicht aufgeschrieben, genannt „Der Leidende“. Er las es mir vor. Eigentlich war es nur eine Vorspiegelung, denn es war das 53. Kapitel des Propheten Jesaja.

Dann fragte er mich:“Von wem handelt das Gedicht? Wer litt für unsere Sünden? Durch wessen Wunden sind wir geheilt?“ Ich antwortete: „Wahrscheinlich ist es Jesus Christus.“ Da sagte er: „Ich habe nur das 53. Kapitel des Propheten Jesaja abgeschrieben und ihnen vorgelesen. Es schrieb über den Messias.

Stellen sie sich meine Überraschund und Erschütterung vor! Ich kannte nicht das dreiundfünfzigste Kapitel des Propheten Jesaja!

Am nächsten Tag zeigte ich dasselbe Gedicht einem Freund, einem Rabbiner in New York. Er wusste auch nicht, dass Jesaja das Kapitel geschrieben hatte. Für mich gab es nur eine Erklärung: Die einzige Ursache, weshalb so viele Rabbiner und Juden en Messias, den Retter aud em Alten und Neuen Testament nicht gefunden haben, ist mangelnde Kenntnis der Heiligen Schrift. Ich beschloss, alles was in meiner Kraft lag, zu tun, um ihnen die jüdische Bibel zu bringen.

Am selben Abend ging ich zu dem Evangelisten in New York und sagte ihm, dass ich an die Bibel un an den Messias Jesus glaube. wir knieten gleich nieder und beteten um Sündenvergebung und Rettung. Ich nahm Jesu, den Messias, als meinen persönlichen Retter an. Welch eine Veränderung fand in mir statt. Ich war unsagbar glücklich, empfand Frieden, Freude und Glückseligkeit, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Ich war ein neuer Mensch.

Fortsetzung

Gott vergibt Sünde

 

9. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Wahre Liebe

Als ich am Mittwoch kam, wartete schon ein Mann auf mich. Er schüttelte mir freundlich die Hand und sagte auf Deutsch: „Dies ist ein Evangelistendienst an Juden.“ Ich fragte ihn, was das bedeutet. „Gott schickt uns zu den Juden, damit wir ihnen sagen, dass er sie liebt und ihre Errettung will.“ „Was meinen Sie mit Errettung? Wie können Sie von Liebe sprechen nach all dem Entsetzlichen, das über die europäischen Juden gekommen ist?“ fragte ich. Er erwiderte freundlich:“Ich weiß, wie Sie fühlen. Aber Christen, wirkliche Nachfolger Christi, lieben die Juden. Wer den Juden Böses tut, ist kein Christ. Das A und O des Christentums heißt Liebe. Das schließt auch Israel ein. Der HERR gebot uns, zuerst zu den Juden zu gehen.“ „Waren denn das keine Christen, die Kreuze trugen und Heiligenbilder in ihren Wohnungen hatten, und trotzdem Juen verfolgten? Waren nicht ie Kirchen in Polen und in er Ukraine die Hauptquelle für den Antisemitismus? Hetzen nicht die Priester die Leute gegen die Juden auf?“

Er sah mich an und sagte:“er HERR lehrt uns, unsere Feinde zu lieben;auch enen Liebe zu erweisen, die uns hassen. Alle, die diesen Lehren nicht gehorchen, sind keine Nachfolger Christi.“ Dann gab er mir ein Neues Testament in jiddischer Sprache und sagte.“Lesen Sie das und Sie werden die wahre Lehre Christi finden.“ Ich steckte das Testament in meine Tasche und versprach, es zu lesen. Ich wollte wirklich wissen, was im Neuen Testament steht; denn ich kannte es nicht.

In den nächsten Nächten hatte ich viel zu lesen. Jede Seite, ja jede Zeile waren für mich eine große Offenbarung. Beginnend mit dem Buch es Matthäus las ich überrascht, dass Jesus ein Nachkomme Abrahams und Davids war. Mir fiel auf, dass es fast auf jeder Seite heißt: „Wie geschrieben steht,“ und das bedeutet, dass es in unserer jüdischen Schrift (im Tenach) so geschrieben steht.

Zum Beispiel las ich im ersten Kapitel, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, wie geschrieben steht:“Siehe, eine Jüngfrau wir schwanger werden und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen“ (Jes 7,14). In zweiten Kapitel las ich, dass Jesus in Behtlehem geboren wurde, wie geschrieben steht: „Und du Bethlehem im Land Juda, bist keineswegs die Gerichste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein herr sei“ (Micha 5,1). Ich ah auch, dass er aus Ägypten kommen sollte, denn es steht geschrieben: „Ich rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten“ (Hosea 11,1)

Auf jeder Seite und in jedem Kapitel fand ich Hinweise auf das Alte Testamenet (den Tenach). Mir wurde klar, dass dieses Buch, das Neue Testament, wirklich die Erfüllung des Alten Testamentes ist. Ich erkannte, dass wir Rabbiner viel zu sehr mit dem Talmud beschäftigt sind und uns zu wenig oder gar nicht auf unsere heiligen Schriften konzetrieren. Nun wurde ich ein bibelgläubiger Jude und dankte Gott, dass er mich zu diesen Leuten geführt hatte, und ich beschloss, mein Leben dem Messias auszuliefern.

Fortsetzung folgt

Meine Bekanntschaft mit einem jüdischen Evangelisten

 

8. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Erstes Licht

An einem Frühlingsabend ging ich in Rhode Island spazieren. Ohne ein bestimmtes Ziel zu haben, genoss ich die frische Luft und schaute hin und her. Da bemerkte ich in der Nähe eines Ladens einige junge Leute, die kleine gedruckte Zettelchen verteilten. Sie sahen mich und gaben mir einen davon.

Da ich nicht englisch lesen konnte, ging ich in den Laden um herauszufinden, was es zu kaufen gab. Zu meinem Erstaunen gab es drinnen nichts zu kaufen. Da saßen nur Leute mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen. Ich wunderte mich:“Was ist denn hier los?“ Es war mir nicht bekannt, dass Christen so beten. Das war ganz im Gegensatz zu den Juden, die mit offenen Augen beten und den Oberkörper hin und her bewegen.

Ich wartete, bis alle ihr Gebet beendet hatten und die Augen öffneten. Ein Junge kam und sprach mich an, aber ich konnte ihn nicht verstehen; denn ich war erst ein paar Wochen in den Vereinigten Statten und konnte kein Englisch. Schließlich sagte ich, ich könne nur Deutsch und Jiddisch. Durch Zeichensprache verabredeten wir, ich sollte am nächsten Mittwoch wiederkommen. Dann würde jemand da sein, der mir in deutsch alles erklären könnte.

Fortsetzung folgt

Wahre Liebe

 

7. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Verlangen nach Wahrheit

Ich fühlte mich sehr unglücklich in meinem geistlichen Zustand; denn ich hatte allen Glauben an die Menschheit und die rabbinischen Geschichten und Lehren verloren. Es betrübte mich, dass ich als Rabbiner lehrte, was ich selber nicht glaubte.
Mir war bewusst, dass die talmudischen Lehren, die Aussprüche und Beweisführungen, gelehrten Kommentare und Haarspaltereien über Sachschäden, Gesetze, Regeln und Vorschriften über den Sabbat und Feiertage, Kleidung und Wäsche usw. veraltet und für uns nicht mehr aktuell waren. Wir brauchten unbedingt eine wirklich geistliche Wahrheit, mit der wir als Juden leben konnten. Wo war der richtige Weg für uns, für mich, ich wusste es nicht.

Ich sah mein Volk wie Schafe ohne Hirten; und erkannte, dass zweitausend Jahre talmudischer, chassidischer, kabbalistischer und weltlicher Lehre nicht ein einziges jüdisches Kind vor dem Verderben retten konnten. Es war mir klar, dass wir Juden für unsere Sünden leiden , wie wir es an den Feiertagen in unseren Gebeten zum Ausdruck brachten; aber ich wusste nicht, was unsere Sünde war.

Weiter geht es morgen mit:

Erstes Licht

6. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

 

Bekenntnis allein genügt nicht

An einem Freitag gehen wir Juden in die Synagoge, beten zu Gott, bekennen unsere Sünden und bitten um Vergebung. Wir sagen: „Wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Land vertrieben.“ Sündenbekenntnis ist ein wichtiger Teil unserer Gebete.

Das jüdische Gebetsbuch nennt verschiedene Arten von Sünden, die der Jude in seinen täglichen Gebeten bekennen muss. Ein besonderer Gebetstag ist der Jom Kippur. Am Abend des Jom Kippur muss jeder Jude, der dreizehn Jahre und älter ist, 45 Sündenbekenntnisse (Al Chets) aufsagen. Danach wird das Slach Lanu (Vergib uns) von der Gemeinde gesungen.

Wenn ich diese Gebete sagte, fühlte ich mich unbefriedigt; denn ich wusste aus der Schrift, dass durch Bekenntnis allein keine Sünden vergeben werden. Es musste ein Korban (Opfer) dargebracht werden. (3. Mose 5,17-19)

Sollten unsere Gebete am Jom Kippur vor Gott wirklich eine besondere Bedeutung haben?  Gleich nach dem Sündenbekenntnis und den Gebeten kehrten wir ja zu unserem alten sündigen Leben zurück! Mir schien, wir trieben Spott mit unserem Gott, wenn wir in der Synagoge unsere Sünden bekannten. Mit unseren Lippen sprachen wir von Reue, aber wir meinten es nicht wirklich.  Wahrlich wir sind Sünder und können uns Gott so nicht nahen.

Fortsetzung folgt:
Verlangen nach Wahrheit

5. Fortsetzung des Zeugnisses

Von Sam Stern

Auf der Suche nach einem Freund und nach der Antwort auf die Frage „Warum?“

Als ich aus dem Konzetrationslager kam, hoffte ich, meine Familie wiederzufinden. Ich annoncierte in Zeitungen und wandte mich an verschiedene Organisationen, um herauszufinden, was aus meiner Familie geworden war. Zu meinem großen Leid erfuhr ich, dass alle meine Lieben unter den sechs Millionen Toten waren. Sie waren Opfer des größten Dämons der Geschichte geworden, der Nazi-Ideologie.

Nun war ich allein in einer fremden Welt, ohne einen Freund. Niemand würde mir die Liebe meiner Eltern und meiner Schwester, die treue Zuneigung meiner Brüder und meines Onkels ersetzen können. Enttäuscht und verzweifelt fragte ich die alte Frage der Juden: „Warum? Warum? Warum wurde ein Drittel von Gottes auserwähltem Volk von den Nazis umgebracht? Wo war Gott, wenn ein kleines unschuldiges Judenkind um Hilfe schrie, wenn Nazi-Mörder es mit brualter Hand töteten?Warm schwieg Gott in diesen für sein Volk so schrecklichen Zeiten?“

Fortsetzung folgt

Bekenntnis allein, genügt nicht

4. Fortsetzung Zeugnis

von Sam Stern

Beginn des 2. Weltkrieges

Im Sommer 1939, gleich nach meiner Ernennung zum rabbiner (meiner Smicha) brach der Krieg aus. Eigentlich wollte ich heiraten und ein Führer Israels werden, um meinen jüdischen Mitbürgern den Weg talmudischer, rabbinischer Tradition zu lehren. Ein anderre Plan war, Polen zu verlassen und vielleicht nach Südamerika auszuwansern, denn dort fehlte es an Rabbinern. Aber der Krieg zerschlug diese Pläne. Mein Leben und das aller Juden in Europa war in Gefahr.

Die Nazis in Polen

Am 4. September kamen deutsche Soldaten in unsere Stadt. Das Leben wurde unerträglich. In den nächsten sechs Jahren starben sechs Millionen Juden, darunter eine Million Kinder. Hier und da veranlasste wohl das Gewissen eine polnische Familie, einen Juden zu retten, indem sie ihn versteckte und ernährte; aber das waren nur Einzelfälle.

Im Mai 1945 ging der Krieg zu Ende. Das Ergebnis: Nazi-Mörder wurden beseitigt, Israel wurde eine Nation und ich hate meine ganze Familie verloren.

Fortsetzung …
Auf der Suche nach einem Freund und der Antwort auf die Frage: „Warum?“

3. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Meine Ausbildung

Nach meiem Bar-Mizwa wurde ich auf eine rabbinische höhere Schule geschickt, mit dem Ziel, Rabbiner zu werden. Von meinem dreizehnten bis zweiundzwanzigsten Lebensjahr besuchte ich verschiedene Schulen, in denen das Hauptfach der Talmud war.

Der Talmud besteht aus 60 Büchern, die sich mit dem täglichen Leben befassen. Behandelt werden vor allem Sach-und Personenschäden, Feiertage, Ehe und Ehescheidung, Gebete und landwirtschaftliche Probleme, meistesn in Form von Diskussionen. Ein Rabbiner sagt zum Beispiel, dass ein Ei, welches an einem Feiertag gelegt wurde, koscher ist, während ein anderer Rabbiner erklärt, so ein Ei sei nicht koscher, sondern Trefa. Der Talmud ist eine Sammlung von gelehrten Streitfagen; außerdem beschäftigen wir uns mit Mystik, Methaphysik und Volkskunde.

Als Talmud-Student musste ich den Namen jedes Rabbiners kennen, der etwas über Schäden, Feiertage usw. zu sagen hatte. Die bekanntesten, die für den Talmudisten so wichtig und verbindlich sind, wie der Talmud selber, sind: Rambam, Rosch u. a. Ich musste all diese Meinungen und Aussprüche kennen.

Wir hatten so viel zu lernen, dass selbst für die einfachsten normalen Schulfächer keine Zeit blieb. Ich wusste nichts von Arithmetik, Geografie usw. aber mit 22 Jahren galt ich als Lamdan, das heißt als Kenner des Talmud.

Fortsetzung:
Beginn des 2. Weltkrieges

2. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Mein erstes Zusammentreffen mit Nichtsjuden.

Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich einmal außerhalb des jüdischen Ghettos spazieren gehen. Plötzlich warf ein anderer Junge einen Stein nach mir und schrie: „Jude, Jude!“

Als Kind wusste ich nichts vom Hass des Nichtjuden gegen Juden. Ganz überrascht und verängstigt rannte ich nach Haus und erzählte es meiner Mutter:“Ein Junge hat mich mit einem Stein beworfen und ‚Jude, Jude‘ gerufen. Warum schmeißt dieser Junge mich mit Steinen? Warum nennt er mich ‚Jude‘? Ich kenne diesen Jungen doch garnicht. Warum hasst er mich, wenn ich ihn noch nie vorher gesehen habe? “

„Er ist Christ und die Christen hassen die Juden. Auch wenn er dich nicht kennt, ist er dein Feind.“
„Aber warum ist er mein Feind“, fragte ich weiter.

„Er glaubt, was man ihm erzählt hat. Die Priester, seine Lehrer und seine Eltern erzählen ihm, dass er die Juden hassen muss. Darum hasst er dich, auch wenn er keinen Grund dazu hat. Aber wenn der Messias kommt, dann werden wir nicht mehr die Letzten, sondern die Ersten sein. Dann werden wir nach Palästina zurück gehen und niemand wird uns mehr verfolgen.“
„Aber wann kommt der Messias?“fragte ich weiter.
„Das wissen wir nicht, aber eines Tages wird er kommen. Dann werden wir nicht mehr unter den Christen leiden.“

Diese Hoffnung auf das Kommen des Messias begleitete mich durch mein ganzes Leben und half mir, Leiden und Demütigungen von meinen nichtjüdischen Nachbarn zu ertragen.

Fortsetzung folgt.

Meine Ausbildung